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Aktionsgemeinschaft Contra Erweiterung Godorfer Hafen
10.03.16
Von: Dieter Neef

10. März 2016 Stellungnahme der AG Contra Erweiterung Godorfer Hafen zur Ausgabe der HGK Hafenzeitung März 2016


"Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab!"

Dieses "Sprichwort der Dakota Indianer" trifft die bröckelnde Position der vier noch aufrechten Hafenbefürworter (DGB Köln-Bonn, IHK-Köln, Arbeitgeber Köln und SPD Köln) ziemlich genau. Ihnen gehen nicht nur die Mehrheiten im Rat verloren sondern auch die Argumente, ja sie reißen sich jetzt auch noch dreist die Argumente der Hafengegner unter den Nagel:

  1. Die HGK ist ganz überraschend sehr lernfähig geworden: Jetzt sollen in einem neuen Wirtschaftlichkeitsgutachten folgende - bisher nur von den Hafengegnern regelmäßig ins Feld geführte -  Faktoren einfließen "in eine neue Aufkommensprognose für Godorf" (Quelle: Kölner Hafenzeitung, März 2016, S. 1):
    • Jetzt schlechtere Marktentwicklung - Zitat HGK: Die HGK akzeptiert "die neue Verkehrsprognose der Bundesregierung, die weniger Containerwachstum erwartet als zuvor" (+4.3 % p.a. lt. Bundeverkehrswegeplan 2015 statt +6.0 % p.a. BVWP 2007, d. Verf.),    d. h. konkret, auch lt. HGK wird es in den Planjahren 2010-2030 nur noch eine Verdoppelung aber keine Verdreifachung des Containermarktes mehr geben.
    • Jetzt fünf statt zwei Alternativen in der Region verfügbar - Zitat HGK: "Auch die seit 2007 neu entstandenen Umschlagskapazitäten in der Region werden berücksichtigt, darunter der Hafen Bonn und die Bahnterminals Köln-Eifeltor und Köln-Nord. Die geplante Entwicklung des rechtsrheinischen Standorts  Niederkassel-Lülsdorf wird ebenfalls betrachtet" (Quelle: a.a.O., S. 1). Dumm nur: In der Aufregung hat die HGK noch ihren in der Rats-Beschlussvorlage von 2012 dokumentierten Plan vergessen, im Hafen Niehl die Containerfläche durch Umrüstung um weitere 110.000 qm bis 2030 zu verdoppeln.

Fazit 1: Die HGK-Hafenzeitung vom März 2016 macht die Rats-Beschlussvorlage vom Okt. 2012 zur Makulatur: Diese Rats-Vorlage geht noch von einer Verdreifachung statt jetzt einer Verdoppelung des Marktes aus und beschränkt außerdem die Kapazitätsrechnung nur auf die beiden "Kölner" "Häfen" (1) Niehl und (2) Godorf  (Quelle: Marktanalyse der Kölner Häfen, Nachfrage und Kapazität bis 2030, Planco-Gutachten als Grundlage der Rats-Beschlussvorlage, August 2012). Statt zwei sind es jetzt auf einmal fünf Terminals  (1) Bonn, (2) Niederkassel-Lülsdorf,  (3) Eifeltor, (4) Köln-Nord und der vergessene Hafen (5) Niehl.

  1.  Als letzter Rettungsanker bleibt der HGK noch die Argumentation mit den LKW, die ohne Godorf durch die Stadt fahren müssen.
    • Rätselhafter Entlastungseffekt - Zitat HGK: "Die Kölner Innenstadt wird von LKW-Verkehren entlastet, die heute Mangels eines Containerhafens im Kölner Süden nach Niehl fahren" (Quelle: a.a.O., S. 1). Die HGK ist hier in ihrer alten Denkschablone stecken geblieben, im Süden gäbe es keinen Hafen. Inzwischen gesteht die HGK ja ein, dass es in Bonn einen Hafen gibt (2012 um das 2.5-fache erweitert) und in Lülsdorf die Erweiterung geplant ist für 2018. Es gibt links-  wie rechtrheinisch zumindest aus Kapazitätsgründen für die Süd-Industrie keinen Anlass, ihre Container in Niehl umzuschlagen.
    • Selbst wenn trotz der Verfügbarkeit der Häfen Niehl im Norden und Bonn und Lülsdorf im Süden immer noch LKWs ohne Not durch Köln bzw. nach Antwerpen und Rotterdam fahren (Quelle: a.a.O., S. 1), stellt sich doch zunächst die Frage, warum sie das beim Hinzukommen von Godorf plötzlich nicht mehr tun sollen. Zumindest sind die spezifischen Gründe für diese Routenwahl trotz der Verfügbarkeit von Häfen im Kölner Norden und Süden aufzuzeigen, ehe pauschal Zahlen in den Raum gestellt werden.

Fazit 2: Die Informationen der HGK-Hafenzeitung vom März 2016 bestätigen eher die bisherige Position der Hafengegner, dass Godorf überflüssig und deshalb mit Sicherheit für die nächsten 20 Jahre - eine Fehlinvestition ist. Da die Erforderlichkeit nach-weislich nicht gegeben ist - die fünf Terminals ohne Godorf verdoppeln die Kapazität der Region synchron mit dem prognostizierten Marktwachstum - wäre nur noch abzuwägen, ob (1) eine Senkung der Kosten evt. längerer LKW- Strecken die (2) zwangsläufigen Mehrkosten durch die Überkapazitäten des unnötigen Hafens Godorf sowie durch die  Investition von   70-80 Mio € und die Zerstörung der 150.000 qm des Naturschutzgebiets Sürther Aue aufwiegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies zutreffen könnte, ist extrem gering.

Aktionsgemeinschaft Contra Erweiterung Godorfer Hafen

Dieter Neef                                   Helmut Feld