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Der Auenwald ist fort


 (von Wilfried Kanzok)

Im Brombeerstrauch, da ist ein Nest,
das sieht man nur im Winter.
Verschwunden sind der Bäume Rest,
es lag einst Auenwald dahinter.

Der Auenwald mit seinen Bäumen,
der wurd’ geshreddert Stück für Stück,
ist verloren jetzt in leeren Räumen.
Der Strauch am Rand, der blieb zurück.

Wie schrecklich war des Morgen Grauen
erfüllt von der Motoren Dröhnen
der Monster mit den Eisenklauen!
Die Weide fällt mit lautem Stöhnen.

Über allem kreist ein Bussard,
geblieben sind ihm braune Flächen.
Fort ist der Baum, wo er sein Nest hat!
Wird sich der Menschen Tun je rächen?

Der Bussard sitzt im Abendrot
auf einem Lampenmast am Hafen.
Er spürt, dass ihm sein Ende droht,
auf diesem Mast kann er nicht schlafen.

Verschwunden ist sein Heimatbaum
mit seinem Horst und allen Vögeln.
Wo ist der Wald, der Wiese Saum?
Geschreddert wurd’s zu braunen Hügeln.

Schon viele Male steh ich hier
und bin stets neu betroffen.
Das Nest im Strauch, Wildrosenzier.
Kann man auf neues Leben hoffen?